| Kurfürstl.
Verwaltung: |
Amtmann
bzw. Amtsverwalter; Amtskellner für die Verwaltung
des kurfürstlichen Grundbesitzes in Stadt und Amt
Boppard; Zoll (Zollschreiber, Nachschreiber, Beseher,
Nachgänger). |
| Städtische
Verwaltung: |
Stadtgericht,
bestehend aus dem vom Kurfürsten eingesetzten Stadtschultheiß
und 14 Schöffen (für freiwillige Gerichtsbarkeit
in Stadt und Amt Boppard allein zuständig, dagegen
in Zivil- und Strafsachen konkurrierende Gerichtsbarkeit
mit dem Amt). Die Schöffen wurden aus jeweils drei
vom Stadtgericht präsentierten Personen vom Kurfürsten
ausgewählt und auf ihn vereidigt und amtierten
auf Lebenszeit. Der Gerichtsschreiber wurde vom Kurfürsten
eingesetzt. Faktisch ausgenommen von der landesherrlichen
und städtischen Gerichtsbarkeit waren die in der
Stadt gelegenen Höfe von Angehörigen der Reichsritterschaft.
Strafgelder flossen zu zwei Dritteln an die kurfürstliche
Rentkammer, zu einem Drittel an den Amtmann |
| Der
Stadtrat: |
12
bürgerliche Ratsverwandte, Stadtschultheiß,
Stadtschreiber, 6 adelige Ritterräte (die allerdings
nur noch bei der Ablegung der Stadtrechnung anläßlich
der Wahl des Stadtbaumeisters alle zwei Jahre in Erscheinung
traten). Der Stadtbaumeister wurde nur von den bürgerlichen
Ratsmitgliedern gewählt und war für die städtische
Polizei, Finanzverwaltung, Bauwesen und Handwerk zuständig,
hatte somit die dominierende Position im Stadtrat, da
der Amtmann bzw. Amtsverwalter, der eigentlich im Namen
des Kurfürsten den Vorsitz im Stadtrat führen
sollte, dieses Recht nur in Ausnahmefällen wahrnahm.
Die Stadträte wurden auf Lebenszeit von den übrigen
(bürgerlichen) Ratsmitgliedern gewählt. Der
Stadtschreiber wurde vom Kurfürsten ernannt. Der
Stadtrat wählte außerdem einen "gemeinen"
Bürgermeister als Repräsentanten der Bürgerschaft,
der aber kein Recht auf einen Sitz im Stadtrat hatte. |
| Bürgerschaft: |
Einteilung
nach Lage der Wohnungen innerhalb des Stadtgebietes
in Nachbarschaften (im 17. Jahrhundert neun, im 18.
Jahrhundert zehn), nach Berufen in Zünfte (bis
zum Ende des 17. Jahrhunderts acht, zu denen im 18.
Jahrhundert sieben weitere kommen). |
| Wirtschaft: |
Einziges
Handelsprodukt von Bedeutung war der Wein. Jeder Gewerbetreibende
in der Stadt bearbeitete auch Weinberge, nur eine Minderheit
der Bürger lebte ausschließlich vom Weinbau.
Boppard war eines der beiden größten Weinbaugebiete
im Kurfürstentum Trier. Dagegen mußte Getreide
von außerhalb eingeführt werden (hauptsächlich
aus dem rechtsrheinischen Raum, da die Landwirtschaft
auf dem Hunsrück weitgehend auf Selbstversorgung
ausgerichtet war). |
| 1554-1559: |
Protestantische
Tendenzen unter der Bopparder Bürgerschaft werden
durch Peter Fahe, Vikar an der Stiftskirche St. Severus
(später Jesuit in Trier), zurückgedrängt |
| 1619: |
Als
Mitglied der katholischen Liga tritt Kurtrier auf Seiten
Kaiser Ferdinands II. und Spaniens in den Krieg gegen
den pfälzischen Kurfürsten und dessen protestantische
Verbündete ein. |
| 1626: |
Gründung
einer Franziskanerniederlassung in Boppard. |
| 1629: |
Im
Konflikt zwischen Kurfürst Philipp Christoph von
Trier und den kurtrierischen Landständen wegen
des Besteuerungsrechts quartiert der Kurfürst in
mehreren Städten des Erzstifts, u.a. auch in Boppard,
Truppen der Liga ein, um Druck auf die Stände auszuüben. |
| 1630: |
König
Gustav Adolf von Schweden landet in Pommern und greift
auf Seiten der Protestanten in den Krieg ein. |
| 1631: |
Sieg
Gustav Adolfs über die Ligaarmee unter Tilly bei
Breitenfeld in Sachsen (17. September). |
| 1632: |
Schwedische
Truppen unter dem Rheingrafen Otto Ludwig besetzen am
18. Januar Boppard. Der Trierer Kurfürst unterzeichnet
einen Neutralitätsvertrag mit den Schweden (23.
Januar) und einen Schutzvertrag mit Frankreich (9. April).
Die Schweden räumen am 10. April Boppard, kehren
aber im Juni 1632 unter dem Feldmarschall Horn noch
einmal für kurze Zeit zurück, um die nach
Koblenz vorgedrungenen Spanier zu vertreiben. |
| 1633: |
Im
März werden vorübergehend französische
Truppen auf dem Hunsrück einquartiert, die von
Stadt und Amt Boppard verpflegt werden müssen. |
| 1635: |
Nachdem
am 26. März die Spanier Trier erobert und den Kurfürsten
gefangengenommen haben, kündigt Schweden dem Erzstift
Trier, dessen Regierung das Domkapitel übernommen
hat, die Neutralität. Schwedische Truppen besetzen
Boppard und Umgebung. Sie werden zwar im Mai mit Unterstützung
der einheimischen Bauern von den Kaiserlichen vertrieben,
doch schon im Juni erobern die Franzosen von Koblenz
aus Boppard wieder zurück. Bis zur Einschließung
der Franzosen in Koblenz durch die bayerische Armee
im Dezember liegt Boppard im unmittelbaren Kampfgebiet.
Zur Abwendung von Plünderungen und zur Versorgung
einquartierter Truppen muß die Stadt hohe Kredite
aufnehmen. |
| 1636: |
Nach
monatelanger Belagerung erobern die Bayern Koblenz (4.
Mai). Das Dorf Peternach, dessen Junker Friedrich von
Liebenstein in der schwedischen Armee dient, wird von
bayerischen Truppen niedergebrannt und bleibt seitdem
auf Dauer Wüstung. |
| 1637: |
Die
französische Garnison auf Ehrenbreitstein ergibt
sich nach eineinhalbjähriger Belagerung den Bayern
(26. Juni). Für den Unterhalt der bayerischen (ab
1639 kaiserlichen) Garnison auf Ehrenbreitstein werden
in der Folgezeit auch Stadt und Amt Boppard herangezogen. |
| 1638: |
In
Stadt und Amt Boppard befinden sich nur noch ca. 100
zahlungsfähige Familien ("Untertanen"). |
| 1639: |
Im
Dezember besetzen drei Regimenter der französischen
Armee auf ihrem Marsch aus dem Elsaß nach Hessen
drei Wochen lang Boppard und plündern die Stadt
vor ihrem Abzug. |
| 1643: |
Das
Koblenzer Jesuitenkolleg kauft Peternach und den Jakobsberger
Hof. |
| 1645: |
Kurfürst
Philipp Christoph wird nach einem Vertrag mit Kaiser
Ferdinand III. freigelassen und übernimmt wieder
die Regierung im Erzstift Trier (1. September). Französische
Truppen unter Feldmarschall Turenne besetzen im November
vorübergehend das Erzstift, u.a. auch Boppard. |
| 1646: |
Kurfürst
Philipp Christoph, der die Festung Ehrenbreitstein wieder
unter seine Kontrolle bringen will, sperrt den Unterhalt
für die dortige kaiserliche Garnison, die daraufhin
gewaltsam Kontributionen eintreibt. Bis zum Kriegsende
1648 fallen außerdem wiederholt französische,
lothringische und hessische Truppen ins Erzstift ein. |
| 1648: |
Der
Westfälische Frieden beendet den Dreißigjährigen
Krieg. Boppard hat mindestens ein Drittel seiner Bevölkerung
verloren. Zusätzlich zu den direkten Kriegseinwirkungen
von 1618 bis 1648 war die Stadt von einer Wirtschaftskrise
mit zeitweiligen Hungersnöten betroffen, bedingt
durch rapiden Anstieg der Getreidepreise einerseits,
Absatzschwierigkeiten für den Wein und Lohnanstieg
im arbeitsintensiven Weinbau infolge des Bevölkerungsrückgangs
andererseits. |
| 1650: |
Abzug
der Kaiserlichen aus der Festung Ehrenbreitstein (10.
Juli). Dagegen fortdauernde Bedrohung von Boppard und
Umgebung durch lothringische Truppen aus der Festung
Hammerstein, die erst im März 1654 in einer gemeinsamen
kurtrierisch-kurkölnischen Aktion erobert werden
kann. |
| 1660-1664: |
Bau
eines Konventsgebäudes, 1683/86 auch einer Klosterkirche
für die Franziskaner. |
| 1689: |
Im
Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) überfallen
französische Truppen Boppard, um die Stadt auf
Befehl ihres Kriegsministers Louvois niederzubrennen.
Der Überfall kann zwar abgewehrt werden, doch dafür
fällt das benachbarte Dorf Weiler den Franzosen
zum Opfer. |
| 1692: |
Zur
Begleichung der Kriegskosten muß die Stadt Boppard
einen Kredit bei der kurfürstlichen Landrentmeisterei
aufnehmen, wofür der Stadtwald verpfändet
wird (bis 1701). |
| 1707: |
Die
kurfürstliche Stadtordnung ("Reglement für
die Stadt Boppard") bestimmt eine einheitliche
Rechnungsführung für die städtischen
Finanzen. Die Stadtrechnung soll künftig nicht
mehr nur vor dem Stadtrat, sondern vor einem Gremium,
gebildet aus Vertretern des Stadtrats, der Bürgerschaft
und der amtszugehörigen Dörfer, unter dem
Vorsitz des Amtmanns abgelegt werden sollen. Bei der
Ablegung der Kirchenrechnung von St. Severus vor dem
Stadtrat muß künftig der Pfarrer hinzugezogen
werden. |
| ca.
1725: |
In
den Dörfern auf dem Hunsrück wird der Kartoffelanbau
eingeführt. |
| 1726: |
Neubau
der Konventsgebäude des Franziskanerinnenklosters
St. Martin, finanziert vom Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rheinfels. |
| 1728-1730 |
Neubau
der Konventsgebäude des Karmeliterklosters |
| 1729: |
Ein
langdauernder Winter und eine im darauffolgenden Herbst
auftretende Ruhrepidemie erhöhen die Sterbeziffer
in der Stadt um das Dreifache (182 Sterbefälle
in einem Jahr statt normalerweise ca. 65). |
| 1735: |
Im
Polnischen Thronfolgekrieg (1733-1735) überfallen
französische Truppen unter General de Court Boppard
und verschleppen fast die gesamte städtische Führungsspitze
nach Trier, um ausständige Kontributionen für
die französische Armee einzutreiben (1. Mai). Die
Kredite zur Zahlung dieser Kontribution, für die
wieder der Stadtwald verpfändet werden muß,
belasten den städtischen Haushalt auf Jahre hinaus. |
| 1736: |
Einführung
einer Armenkollekte durch Kurfürst Franz Georg
von Schönborn, zu der alle Bürger mit eigenen
Einkünften herangezogen werden, um die Armenfürsorge
auf eine sichere Grundlage zu stellen. |
| 1737: |
Der
Stadtrat kauft beim Schlossermeister Friedrich Knopf
in Koblenz zum Preis von 136 Reichstalern eine Feuerspritze. |
| 1738: |
Brand
des Klosters Marienberg, das unter Leitung des Tiroler
Baumeister Thomas Neurohr im Barockstil wieder aufgebaut
wird. |
| 1740: |
Der
kurfürstliche Amtmann und der Stadtrat von Boppard
erlassen gemeinsam eine "Feuer- oder Brandordnung"
nach dem Vorbild bereits existierender Verordnungen
in benachbarten Städten (v. a. Koblenz), in der
der Bevölkerung die Verhaltensmaßregeln zur
Verhütung und Bekämpfung von Bränden
unter schweren Strafandrohungen besonders eingeschärft
werden. |
| 1745: |
Erneute
Einquartierungen französischer Truppen im Österreichischen
Erbfolgekrieg, ebenso 1758 während des Siebenjährigen
Krieges gegen Preußen. |
| ca.
1750 |
Ab
der Mitte des 18. Jahrhunderts geht die Sterbeziffer
in Boppard deutlich zurück, v.a. durch ein Absinken
der Kindersterblichkeit. Während vor 1750 noch
ungefähr die Hälfte der Kinder vor dem 10.
Lebensjahr stirbt, sinkt dieser Anteil nach 1750 auf
ungefähr ein Drittel. |
| ca.
1760: |
sinken
die Marktpreise für Wein bei gleichzeitigem weiteren
Anstieg der Getreidepreise, was in Verbindung mit dem
verstärkten Bevölkerungswachstum zu wachsender
Armut und sozialem Elend führt. |
| 1765: |
Das
Benediktinerinnenkloster Marienberg bei Boppard erlaubt
auch nichtadeligen Frauen den Eintritt.
Eröffnung einer Lateinschule durch die Franziskaner,
an der auch arme Schüler ohne Bezahlung des üblichen
Studiengelds zugelassen sind, wofür die Stadt jährlich
50 Reichstaler zahlt. |
| 1766-1768: |
Neubau
der Kirche des Franziskanerinnenklosters St. Martin,
finanziert vom Landgrafen Konstantin von Hessen-Rheinfels. |
| 1769: |
Beginn
aufklärerischer Tendenzen in der Regierung des
Kurfürstentums Trier. Die neue Feiertagsordnung
des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier reduziert
die Anzahl der Feiertage von 35 auf 20 pro Jahr. |
| 1784: |
Eine
kurfürstliche Verordnung verbietet die jährliche
Wallfahrt der Bürgerschaft nach Trier, doch muß
dieses Verbot nach Protesten 1790 wieder zurückgenommen
werden. |
| 1785: |
Der
Pfarrfriedhof, bis dahin an der Südseite der St.-Severus-Kirche,
wird aus der Stadt herausverlegt. |
| 1787: |
Auf
kurfürstliche Verordnung muß die Stadt Boppard
einen ausgebildeten Förster zur Beaufsichtigung
ihrer Waldungen einstellen (bis dahin vom Stadtrat eingesetzte
"Waldförster" aus der Bürgerschaft): |
| 1789: |
Die
neue kurfürstliche Stadtordnung für Boppard
überträgt dem Stadtschultheißen den
Vorsitz im Stadtrat. Für die Wahl neuer Stadträte
ist künftig die kurfürstliche Zustimmung erforderlich.
Der bisherige Stadtbaumeister, jetzt "Ratsbürgermeister",
wird künftig jährlich gewählt (zuständig
für Polizei und Finanzen; die Aufsicht über
Bauwesen und Handwerk übernimmt ein vom Stadtrat
angestellter Baumeister). Der bisherige Bürgermeister,
jetzt "Gemeindebürgermeister", wird künftig
aus drei von den Nachbarmeistern der Bürgerschaft
präsentierten Personen vom Vorsitzenden des Stadtrats
(Amtsverwalter oder Stadtschultheiß) ausgewählt
und erhält einen Sitz im Stadtrat.
Die neue Stadtordnung von 1789 bildet den Abschluß
einer Einordnung der Stadt Boppard in den kurtrierischen
Verwaltungsstaat. Die Ratsherrschaft der frühen
Neuzeit, die durchaus mit dem Begriff "absolute
Oligarchie" gekennzeichnet werden kann, sollte
nun auch institutionell stärker an die kurfürstliche
Zentralverwaltung angebunden werden, indem der kurfürstliche
Schultheiß dem bisherigen Baumeister als Exponenten
eines weitgehend autonomen Stadtrates deutlich übergeordnet
wurde. Der Stadtrat sollte so zu einem Exekutivorgan
der landesherrlichen Verwaltung werden, eine Entwicklung,
die in anderen Territorien des Reichs schon sehr viel
früher eingesetzt hatte. |