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Geschichte der Stadt Boppard in der frühen Neuzeit (1525-1789)


Dieser kurze Überblick wurde vom Autor des Kapitels " Boppard in der frühen Neuzeit "in ("Boppard - Geschichte einer Stadt am Mittelrhein "), Franz Maier freundlicher Weise zusammengestellt.


Im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg von 1525 scheiterte der letzte Versuch der Stadt Boppard, gegenüber ihrem Landesherrn, dem Kurfürsten und Erzbischof von Trier, ein Stück der alten reichsstädtischen Autonomie zurückzugewinnen. Die folgenden zweieinhalb Jahrhunderte waren für die Stadt eine Zeit der Stagnation in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Das Stadtbild behielt im wesentlichen sein mittelalterliches Gepräge. Auch eine Erweiterung über den mittelalterlichen Mauerring hinaus fand nicht statt, obwohl die Bevölkerungszahl von 1500 im 16. Jahrhundert auf über 2300 gegen Ende des 18. Jahrhunderts anstieg. Damit war Boppard nach Trier und Koblenz die drittgrößte Stadt im Kurfürstentum Trier.

Kurfürstl. Verwaltung:  Amtmann bzw. Amtsverwalter; Amtskellner für die Verwaltung des kurfürstlichen Grundbesitzes in Stadt und Amt Boppard; Zoll (Zollschreiber, Nachschreiber, Beseher, Nachgänger). 
Städtische Verwaltung:  Stadtgericht, bestehend aus dem vom Kurfürsten eingesetzten Stadtschultheiß und 14 Schöffen (für freiwillige Gerichtsbarkeit in Stadt und Amt Boppard allein zuständig, dagegen in Zivil- und Strafsachen konkurrierende Gerichtsbarkeit mit dem Amt). Die Schöffen wurden aus jeweils drei vom Stadtgericht präsentierten Personen vom Kurfürsten ausgewählt und auf ihn vereidigt und amtierten auf Lebenszeit. Der Gerichtsschreiber wurde vom Kurfürsten eingesetzt. Faktisch ausgenommen von der landesherrlichen und städtischen Gerichtsbarkeit waren die in der Stadt gelegenen Höfe von Angehörigen der Reichsritterschaft. Strafgelder flossen zu zwei Dritteln an die kurfürstliche Rentkammer, zu einem Drittel an den Amtmann
Der Stadtrat:  12 bürgerliche Ratsverwandte, Stadtschultheiß, Stadtschreiber, 6 adelige Ritterräte (die allerdings nur noch bei der Ablegung der Stadtrechnung anläßlich der Wahl des Stadtbaumeisters alle zwei Jahre in Erscheinung traten). Der Stadtbaumeister wurde nur von den bürgerlichen Ratsmitgliedern gewählt und war für die städtische Polizei, Finanzverwaltung, Bauwesen und Handwerk zuständig, hatte somit die dominierende Position im Stadtrat, da der Amtmann bzw. Amtsverwalter, der eigentlich im Namen des Kurfürsten den Vorsitz im Stadtrat führen sollte, dieses Recht nur in Ausnahmefällen wahrnahm. Die Stadträte wurden auf Lebenszeit von den übrigen (bürgerlichen) Ratsmitgliedern gewählt. Der Stadtschreiber wurde vom Kurfürsten ernannt. Der Stadtrat wählte außerdem einen "gemeinen" Bürgermeister als Repräsentanten der Bürgerschaft, der aber kein Recht auf einen Sitz im Stadtrat hatte. 
Bürgerschaft: Einteilung nach Lage der Wohnungen innerhalb des Stadtgebietes in Nachbarschaften (im 17. Jahrhundert neun, im 18. Jahrhundert zehn), nach Berufen in Zünfte (bis zum Ende des 17. Jahrhunderts acht, zu denen im 18. Jahrhundert sieben weitere kommen). 
Wirtschaft: Einziges Handelsprodukt von Bedeutung war der Wein. Jeder Gewerbetreibende in der Stadt bearbeitete auch Weinberge, nur eine Minderheit der Bürger lebte ausschließlich vom Weinbau. Boppard war eines der beiden größten Weinbaugebiete im Kurfürstentum Trier. Dagegen mußte Getreide von außerhalb eingeführt werden (hauptsächlich aus dem rechtsrheinischen Raum, da die Landwirtschaft auf dem Hunsrück weitgehend auf Selbstversorgung ausgerichtet war). 

Zeittafel zur frühen Neuzeit:

1554-1559:  Protestantische Tendenzen unter der Bopparder Bürgerschaft werden durch Peter Fahe, Vikar an der Stiftskirche St. Severus (später Jesuit in Trier), zurückgedrängt 
1619: Als Mitglied der katholischen Liga tritt Kurtrier auf Seiten Kaiser Ferdinands II. und Spaniens in den Krieg gegen den pfälzischen Kurfürsten und dessen protestantische Verbündete ein. 
1626: Gründung einer Franziskanerniederlassung in Boppard. 
1629: Im Konflikt zwischen Kurfürst Philipp Christoph von Trier und den kurtrierischen Landständen wegen des Besteuerungsrechts quartiert der Kurfürst in mehreren Städten des Erzstifts, u.a. auch in Boppard, Truppen der Liga ein, um Druck auf die Stände auszuüben. 
1630: König Gustav Adolf von Schweden landet in Pommern und greift auf Seiten der Protestanten in den Krieg ein. 
1631: Sieg Gustav Adolfs über die Ligaarmee unter Tilly bei Breitenfeld in Sachsen (17. September).
1632: Schwedische Truppen unter dem Rheingrafen Otto Ludwig besetzen am 18. Januar Boppard. Der Trierer Kurfürst unterzeichnet einen Neutralitätsvertrag mit den Schweden (23. Januar) und einen Schutzvertrag mit Frankreich (9. April). Die Schweden räumen am 10. April Boppard, kehren aber im Juni 1632 unter dem Feldmarschall Horn noch einmal für kurze Zeit zurück, um die nach Koblenz vorgedrungenen Spanier zu vertreiben.
1633: Im März werden vorübergehend französische Truppen auf dem Hunsrück einquartiert, die von Stadt und Amt Boppard verpflegt werden müssen.
1635: Nachdem am 26. März die Spanier Trier erobert und den Kurfürsten gefangengenommen haben, kündigt Schweden dem Erzstift Trier, dessen Regierung das Domkapitel übernommen hat, die Neutralität. Schwedische Truppen besetzen Boppard und Umgebung. Sie werden zwar im Mai mit Unterstützung der einheimischen Bauern von den Kaiserlichen vertrieben, doch schon im Juni erobern die Franzosen von Koblenz aus Boppard wieder zurück. Bis zur Einschließung der Franzosen in Koblenz durch die bayerische Armee im Dezember liegt Boppard im unmittelbaren Kampfgebiet. Zur Abwendung von Plünderungen und zur Versorgung einquartierter Truppen muß die Stadt hohe Kredite aufnehmen.
1636: Nach monatelanger Belagerung erobern die Bayern Koblenz (4. Mai). Das Dorf Peternach, dessen Junker Friedrich von Liebenstein in der schwedischen Armee dient, wird von bayerischen Truppen niedergebrannt und bleibt seitdem auf Dauer Wüstung.
1637: Die französische Garnison auf Ehrenbreitstein ergibt sich nach eineinhalbjähriger Belagerung den Bayern (26. Juni). Für den Unterhalt der bayerischen (ab 1639 kaiserlichen) Garnison auf Ehrenbreitstein werden in der Folgezeit auch Stadt und Amt Boppard herangezogen.
1638: In Stadt und Amt Boppard befinden sich nur noch ca. 100 zahlungsfähige Familien ("Untertanen"). 
1639: Im Dezember besetzen drei Regimenter der französischen Armee auf ihrem Marsch aus dem Elsaß nach Hessen drei Wochen lang Boppard und plündern die Stadt vor ihrem Abzug. 
1643: Das Koblenzer Jesuitenkolleg kauft Peternach und den Jakobsberger Hof.
1645: Kurfürst Philipp Christoph wird nach einem Vertrag mit Kaiser Ferdinand III. freigelassen und übernimmt wieder die Regierung im Erzstift Trier (1. September). Französische Truppen unter Feldmarschall Turenne besetzen im November vorübergehend das Erzstift, u.a. auch Boppard.
1646: Kurfürst Philipp Christoph, der die Festung Ehrenbreitstein wieder unter seine Kontrolle bringen will, sperrt den Unterhalt für die dortige kaiserliche Garnison, die daraufhin gewaltsam Kontributionen eintreibt. Bis zum Kriegsende 1648 fallen außerdem wiederholt französische, lothringische und hessische Truppen ins Erzstift ein.
1648: Der Westfälische Frieden beendet den Dreißigjährigen Krieg. Boppard hat mindestens ein Drittel seiner Bevölkerung verloren. Zusätzlich zu den direkten Kriegseinwirkungen von 1618 bis 1648 war die Stadt von einer Wirtschaftskrise mit zeitweiligen Hungersnöten betroffen, bedingt durch rapiden Anstieg der Getreidepreise einerseits, Absatzschwierigkeiten für den Wein und Lohnanstieg im arbeitsintensiven Weinbau infolge des Bevölkerungsrückgangs andererseits.
1650: Abzug der Kaiserlichen aus der Festung Ehrenbreitstein (10. Juli). Dagegen fortdauernde Bedrohung von Boppard und Umgebung durch lothringische Truppen aus der Festung Hammerstein, die erst im März 1654 in einer gemeinsamen kurtrierisch-kurkölnischen Aktion erobert werden kann.
1660-1664: Bau eines Konventsgebäudes, 1683/86 auch einer Klosterkirche für die Franziskaner.
1689: Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) überfallen französische Truppen Boppard, um die Stadt auf Befehl ihres Kriegsministers Louvois niederzubrennen. Der Überfall kann zwar abgewehrt werden, doch dafür fällt das benachbarte Dorf Weiler den Franzosen zum Opfer.
1692: Zur Begleichung der Kriegskosten muß die Stadt Boppard einen Kredit bei der kurfürstlichen Landrentmeisterei aufnehmen, wofür der Stadtwald verpfändet wird (bis 1701).
1707: Die kurfürstliche Stadtordnung ("Reglement für die Stadt Boppard") bestimmt eine einheitliche Rechnungsführung für die städtischen Finanzen. Die Stadtrechnung soll künftig nicht mehr nur vor dem Stadtrat, sondern vor einem Gremium, gebildet aus Vertretern des Stadtrats, der Bürgerschaft und der amtszugehörigen Dörfer, unter dem Vorsitz des Amtmanns abgelegt werden sollen. Bei der Ablegung der Kirchenrechnung von St. Severus vor dem Stadtrat muß künftig der Pfarrer hinzugezogen werden.
ca. 1725: In den Dörfern auf dem Hunsrück wird der Kartoffelanbau eingeführt.
1726: Neubau der Konventsgebäude des Franziskanerinnenklosters St. Martin, finanziert vom Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rheinfels. 
1728-1730 Neubau der Konventsgebäude des Karmeliterklosters
1729: Ein langdauernder Winter und eine im darauffolgenden Herbst auftretende Ruhrepidemie erhöhen die Sterbeziffer in der Stadt um das Dreifache (182 Sterbefälle in einem Jahr statt normalerweise ca. 65).
1735: Im Polnischen Thronfolgekrieg (1733-1735) überfallen französische Truppen unter General de Court Boppard und verschleppen fast die gesamte städtische Führungsspitze nach Trier, um ausständige Kontributionen für die französische Armee einzutreiben (1. Mai). Die Kredite zur Zahlung dieser Kontribution, für die wieder der Stadtwald verpfändet werden muß, belasten den städtischen Haushalt auf Jahre hinaus.
1736: Einführung einer Armenkollekte durch Kurfürst Franz Georg von Schönborn, zu der alle Bürger mit eigenen Einkünften herangezogen werden, um die Armenfürsorge auf eine sichere Grundlage zu stellen.
1737: Der Stadtrat kauft beim Schlossermeister Friedrich Knopf in Koblenz zum Preis von 136 Reichstalern eine Feuerspritze.
1738: Brand des Klosters Marienberg, das unter Leitung des Tiroler Baumeister Thomas Neurohr im Barockstil wieder aufgebaut wird.
1740: Der kurfürstliche Amtmann und der Stadtrat von Boppard erlassen gemeinsam eine "Feuer- oder Brandordnung" nach dem Vorbild bereits existierender Verordnungen in benachbarten Städten (v. a. Koblenz), in der der Bevölkerung die Verhaltensmaßregeln zur Verhütung und Bekämpfung von Bränden unter schweren Strafandrohungen besonders eingeschärft werden. 
1745: Erneute Einquartierungen französischer Truppen im Österreichischen Erbfolgekrieg, ebenso 1758 während des Siebenjährigen Krieges gegen Preußen. 
ca. 1750 Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts geht die Sterbeziffer in Boppard deutlich zurück, v.a. durch ein Absinken der Kindersterblichkeit. Während vor 1750 noch ungefähr die Hälfte der Kinder vor dem 10. Lebensjahr stirbt, sinkt dieser Anteil nach 1750 auf ungefähr ein Drittel. 
ca. 1760: sinken die Marktpreise für Wein bei gleichzeitigem weiteren Anstieg der Getreidepreise, was in Verbindung mit dem verstärkten Bevölkerungswachstum zu wachsender Armut und sozialem Elend führt.
1765: Das Benediktinerinnenkloster Marienberg bei Boppard erlaubt auch nichtadeligen Frauen den Eintritt.
Eröffnung einer Lateinschule durch die Franziskaner, an der auch arme Schüler ohne Bezahlung des üblichen Studiengelds zugelassen sind, wofür die Stadt jährlich 50 Reichstaler zahlt.
1766-1768: Neubau der Kirche des Franziskanerinnenklosters St. Martin, finanziert vom Landgrafen Konstantin von Hessen-Rheinfels. 
1769: Beginn aufklärerischer Tendenzen in der Regierung des Kurfürstentums Trier. Die neue Feiertagsordnung des Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Trier reduziert die Anzahl der Feiertage von 35 auf 20 pro Jahr.
1784: Eine kurfürstliche Verordnung verbietet die jährliche Wallfahrt der Bürgerschaft nach Trier, doch muß dieses Verbot nach Protesten 1790 wieder zurückgenommen werden.
1785: Der Pfarrfriedhof, bis dahin an der Südseite der St.-Severus-Kirche, wird aus der Stadt herausverlegt.
1787: Auf kurfürstliche Verordnung muß die Stadt Boppard einen ausgebildeten Förster zur Beaufsichtigung ihrer Waldungen einstellen (bis dahin vom Stadtrat eingesetzte "Waldförster" aus der Bürgerschaft):
1789: Die neue kurfürstliche Stadtordnung für Boppard überträgt dem Stadtschultheißen den Vorsitz im Stadtrat. Für die Wahl neuer Stadträte ist künftig die kurfürstliche Zustimmung erforderlich. Der bisherige Stadtbaumeister, jetzt "Ratsbürgermeister", wird künftig jährlich gewählt (zuständig für Polizei und Finanzen; die Aufsicht über Bauwesen und Handwerk übernimmt ein vom Stadtrat angestellter Baumeister). Der bisherige Bürgermeister, jetzt "Gemeindebürgermeister", wird künftig aus drei von den Nachbarmeistern der Bürgerschaft präsentierten Personen vom Vorsitzenden des Stadtrats (Amtsverwalter oder Stadtschultheiß) ausgewählt und erhält einen Sitz im Stadtrat.
Die neue Stadtordnung von 1789 bildet den Abschluß einer Einordnung der Stadt Boppard in den kurtrierischen Verwaltungsstaat. Die Ratsherrschaft der frühen Neuzeit, die durchaus mit dem Begriff "absolute Oligarchie" gekennzeichnet werden kann, sollte nun auch institutionell stärker an die kurfürstliche Zentralverwaltung angebunden werden, indem der kurfürstliche Schultheiß dem bisherigen Baumeister als Exponenten eines weitgehend autonomen Stadtrates deutlich übergeordnet wurde. Der Stadtrat sollte so zu einem Exekutivorgan der landesherrlichen Verwaltung werden, eine Entwicklung, die in anderen Territorien des Reichs schon sehr viel früher eingesetzt hatte.

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Copyright: Dr.Franz Maier, Landesarchiv Speyer

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