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Die Hügelgräber der Hunsrück-Eifel-Kultur

Aus: Boppard-Geschichte einer Stadt am Mittelrhein, Seite 24-27, von H.H.Wegner

Erst allmählich entwickelte die Bevölkerung der spätbronzezeitlichen Kulturen Techniken zur Gewinnung, Verhüttung und Verarbeitung des Eisenerzes. In den Mittelgebirgszonen östlich und besonders westlich des Rheines und den benachbarten Höhenzügen bildete sich seit Beginn der Urnenfelderkultur die nach diesem neuen Werkstoff benannte Eisenzeit (1250-700 v.Chr.) heraus. Sie entfaltete am Mittelrhein und im Schiefergebirge ein besonderes Erscheinungsbild. Aufgrund der zahlreichen, zum Teil recht weitläufigen Grabhügelfelder, einer fast einheitlichen Bestattungssitte und der klaren Ausprägung eines typischen Siedlungsinventares wird die Kultur des westlichen Mittelgebirgsbereichs als die ,,Hunsrück-Eifel-Kultur” bezeichnet. Die wirtschaftliche Grundlage ist die Feld- und Weidewirtschaft. In der Siedlungsweise sind deutlich Unterschiede gegenüber der vorangegangenen Zeit festzustellen. Das Siedlungsinventar ist wesentlich qualitätvoller in der Ausführung und sorgfältiger verziert. Der andersartige Grabkult ist zudem ein augenfälliges weiteres gemeinsames Kennzeichen dieser Gruppe. Die Toten wurden verbrannt, der Leichenbrand in Urnen gesammelt und auf Flach- oder Hügelgräberfeldern beigesetzt. Die Bestattungen enthalten unterschiedlich viele Beigaben. Man findet sowohl Urnen als auch Skelettgräber. 
Die Grabhügelfelder liegen der bronzezeitlichen Tradition folgend, überwiegend auf den Höhenzügen der meist bewaldeten Ausläufer der mittelrheinischen Gebirgsketten. So sind im Raum Boppard auf den Randhöhen des Hunsrücks die eisenzeitlichen Grabhügel im Bereich des Hellerwaldes zu nennen. Der schon erwähnten Erweiterung des Industriegebietes mußte eine stattliche Anzahl der noch erhaltenen Grabhügel weichen. Einzelne dieser Bestattungsanlagen wurden vorher fachgerecht durch das Amt für Archäologie in Koblenz ausgegraben. Dabei konnte eine Vielzahl von Details zu Grabsitte und Grabritus beobachtet werden. Nur einige Ergebnisse sollen beispielhaft angeführt werden, da sie von besonderem Interesse sind. Der Aufbau eines Hügels und die Anordnung der Bestattung hatten nahezu im Zentrum der Grabanlage eine ausgedehnte, rechteckige. grubenartige, dunkle Verfärbung. Diese hatte eine Seitenlänge von etwa 2,0 m x 1,80 m. An den Schmalseiten befanden sich Steinsetzungen und in den Ecken offensichtlich die Reste von Pfostenstellungen, die durch zusätzliche Steine verkeilt waren. In der Mitte ergaben sich an verschiedenen Stellen Hinweise für Querbalken. Für deren mögliche Befestigung fanden sich Bruchstücke von Eisennägeln. Offensichtlich haben wir es hier mit einer kastenförmigen Konstruktion zu tun, die als Grabkammer für die Bestattung diente. Der Grabeinbau bestand aus einer groben, aus Bohlen gebildeten Kiste, die unten an den Seiten durch Steinsetzungen verstärkt und deren Pfosten mit Steinen verkeilt war. Darüber war der Hügel errichtet. Keramik war nur in ausgesprochen kleinen Fragmenten vorhanden, andere Beigaben gab es nicht. Nach Aufbau und Konstruktion könnte es sich hier um ein Wagengrab gehandelt haben. Die Beigabe eines zweirädrigen Kampfwagens, der dem Toten möglicherweise zu Lebzeiten gehörte, ist in dieser Zeit ein charakteristisches Symbol der Stärke eines Angehörigen der Adelsschicht und ist typisch für diese Gegend.” Ein weiterer bemerkenswerter Befund soll hier Erwähnung finden. Im südöstlichen Teil des Grabfeldes lag ein Hügel, der im wesentlichen aus einem massiven Steinschotterring bestand. der mit lehmigem Schiefer-Verwitterungsboden durchsetzt war.” Der massive Steinkranz war mit einer geschotterten Aufschüttung erhöht. Im Zentrum enthielt der Hügel eine Doppelbestattung. Die beiden Grabgruben lagen im Abstand von etwa 2 m längsparallel nahezu in Ost-West-Richtung nebeneinander. Die Grabgruben selbst hatte man mit Geröllsteinen der Umgebung ausgelegt. Offensichtlich waren die Toten in einem Sarg oder auf einem Totenbrett beigesetzt worden. Darauf weisen Reste von verkohltem Holz hin. Die Knochen der Skelette waren fast vollständig vergangen. Im südlichen Grab hatten sich nur Reste des Schädels erhalten. Etwa in Schulterhöhe lag ein völlig korrodiertes Toilettbesteck aus Eisen. In der östlichen Ecke stand ein nahezu vollständig erhaltenes, aber zusammengedrücktes Gefäß. Das nördliche Grab hatte einen ähnlichen Grabeinbau. Auch hier waren deutliche Reste von Holzlagen, wohl des ehemaligen Sarges, zu erkennen. In der südlichen Ecke stand als Grabbeigabe ebenfalls ein keramisches Gefäß. Außerdem wurden zwei Armringe aus Bronze geborgen.” Dort waren auch kleine Reste des Armknochens erhalten. Die Gefäße beider Gräber waren sehr stark zerdrückt, aber in ihren Bestandteilen noch gut Zusammensetzbar. Es sind glatte und sorgfältig gearbeitete Keramikgefäße. Die typische Verzierung von Fischgrätenmuster ist auf der Schulter und am Umbruch des Gefäßes umlaufend angebracht. Ein Gefäß hat zusätzlich eine Glättverzierung, die strahlenförmig jeweils drei Linien vom Umbruch zum Boden zieht. Die beiden Schmuckstücke sind einfache bronzene, drahtförmige Armringe mit halbovalem Querschnitt. Das Toilettbesteck aus Eisen ist in seiner Zusammensetzung vollständig vorhanden, jedoch sind wegen der starken Korrosion Einzelheiten nicht erkennbar. Es handelt sich hier um die typischen, wenn auch spärlichen Beigaben der Bestattungen der Hunsrück-Eifel-Kultur (etwa 450 - 390 v. Chr.). Eine Besonderheit bildet die Doppelbestattung, die in dieser Region einmalig ist und bisher nicht recht gedeutet werden kann. Die anthropologische Untersuchung der Knochenfragmente ergab, daß es sich um den Schädel eines maturen bis spätmaturen Mannes im Alter von etwa 41 - 60 Jahren handelt.'? Die zu diesem Grabhügelfeld der Hunsrück-Eifel-Kultur zugehörige Siedlung ist nicht bekannt. Siedlungen zu solchen Grabhügelfeldern lagen in der Regel in nicht allzu großer Entfernung meist im Bereich der oberen Talniederungen in der Nähe von Quellhorizonten.'” In jener Zeit war der ganze Hunsrück besiedelt. Es ist davon auszugehen, daß auch die Flußniederungen an Rhein und Mosel bevölkerungsreiche Siedlungsräume bildeten. So werden sich auch im Stadtgebiet und in unmittelbarer Nachbarschaft von Boppard Siedlungen der Eisenzeit, ähnlich wie in Braubach, befunden haben. Wegen der starken Talerosion und der dichten modernen Bebauung ist es schwierig, solche im Stadtgebiet noch aufzufinden.*15 Lückenlos geht die Besiedlung der älteren Eisenzeit, der sogenannten Hallstattzeit, in die Epoche der jüngeren Eisenzeit, der Latenekultur (4.50 - 0), am Mittelrhein und im Hunsrück über.*26 Als Träger der Latenekultur gelten die Kelten. Die Siedlungsformen der Hallstattzeit werden in der Latenezeit weitergeführt. Neben den kleineren, burgstadtartigen Höhensiedlungen überwiegen Bauernhöfe in der offenen Landschaft.” Nach den archäologischen Befunden anderer Regionen waren diese unbefestigt. Die Lebensgrundlage bildeten weiterhin Landwirtschaft und Viehzucht. Aus dem Mittelmeerraum übernommene Produktionsverfahren in Feldbau und Handwerkskunst, wie z. B. Töpferscheibe, Drehbank, Verhüttungswesen und Handwerk der Metallverarbeitung, werden weitergeführt und intensiviert. Die Geldwirtschaft begann. Innerhalb der Gräberfelder lassen sich neben normal ausgestatteten Toten z. T. sehr aufwendige und reiche Bestattungen feststellen, die auf unterschiedliche, schon während der auslaufenden Hallstattzeit bemerkbare Gesellschaftsschichtungen hindeuten. Im Laufe der Zeit war offenbar ein System sozialer Wechselbeziehungen entstanden, das sich im Gefolgschaftswesen ausprägte und im Mittelrheingebiet eine ,,höfische Kultur” mit Kleinadelsystemen hervorbrachte. Die Beigaben in den Gräbern z. B. die Wagenbestattungen. Bronzegeschirr usw. lassen einen soliden Reichtum einer privilegierten Gruppe erkennen, der wohl überwiegend auf Handel, aber auch auf bodenständigem, leistungsfähigem Handwerk und Kunstgewerbe.
Die Hügelgräber der Hunsrück-Eifel-Kultur Lageplan der- Straßensiedlung (Vicus) um Rheinufer, des spätrömischen Kastells Bodobrica sowie der Gräberfelder. ,Im Proffen' und St. Martin (nach H. Eiden) beruhte. Gerade das Mittelrheingebiet, die Lahn- und Moselmündung hatten in dieser keltischen Epoche enge Handelsbeziehungen mit dem etruskischen norditalisch-helvetischen und kolonialgriechischen südostfranzösischen Raum. Die wirtschaftliche und politische Ausstrahlung des Mittelmeerraumes nach Norden verstärkte sich zunehmend. Die Eisenzeit hat eine besondere Bedeutung als Zeit der ausgreifenden Kolonisationen, die seit der Mitte des vorchristlichen Jahrtausends stattfanden und sich nicht nur auf den Mittelmeerraum beschränkten. ”Bisher unbewohnte Landstriche am Mittelrhein wurden besiedelt. Eine deutliche Bevölkerungszunahme war zu verzeichnen. Auf geistig-politischem und wirtschaftlichem Gebiet wuchs die Orientierung auf den reichen Süden. Die Fertigkeit, Eisenerz zu gewinnen und zu verhütten, förderte den Fortschritt. Man konnte leistungsfähige Arbeitsgeräte herstellen und den produzierten ,,Keltenstahl” in Rohbarren als Handelsgut vermarkten. Die kulturelle Weiterentwicklung wurde auch gefördert durch Importe aus dem oberitalisch-etruskischen Kulturbereich. Mit den charakteristischen südländischen Weingeschirren, z.B. Schnabelkannen, Becken und Situlen aus Bronze, wird gleichzeitig die Kenntnis für die Anwendung der Gegenstände bei Festgelagen und Symposien in feierlich rituellem Rahmen vermittelt. ”Für diese Epoche der Fürsten- und Wagengräber der westmitteleuropäischen Eisenzeit gibt es im Stadtgebiet von Boppard keine Belege. Diese finden wir aber in der unmittelbaren Nachbarschaft, wie z.B. in Waldalgesheim, Perscheid und Donsbrüggen. Auch die keltische Säule von Pfalzfeld ist beredtes Zeugnis dieser Zeit.” 

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